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50 Jahre Pauillac-Pullach Partnerschaft

Reise zum Marathon in Pauillac 2015

Ein Dankeschön aus Pauillac

Liebe Freunde,

Wie versprochen sende ich Ihnen die Zeitungsartikel über den Marathon2015.

Ich habe das Planung des Programms für unsere Reise im Jahr 2016 nach Pullach empfangen, aber unser Treffen findet erst am 1. Oktober statt, so dass ich zu dieser Zeit kommunizieren werde.

Das Bier, das von "Pullach Aktiv" gebracht wurde, war sehr geschätzt und hat es uns ermöglicht, ein gutes Einnahmeergebnis trotz des schlechten Wetters zu erzielen. Wir haben noch nie so viel Bier an einem Tag während des Marathons verkauft. Ich persönlich dankte Herrn Lachais(z)e und den drei Leuten, die bei ihm waren, als sie in das Haus kam, um mich zu begrüßen.

Die Ernte ersetzt jetzt den Marathon und die Farben, die wir in den Weinbergen sehen, sind die der Weinlese-Helfer. Die Ernte verspricht ausgezeichnet zu sein, da die Sonne für den Zucker gesorgt hat und der Regen den Trauben zum Wachstum verholfen hat.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Herbst so sonnig wie das jetzt in Pauillac scheint.

In Bekräftigung unserer Freundschaft küsse ich Euch

Marie José


Und hier das Original in Französisch

Chers amis,

Comme promis je vous envoie les articles de journaux parus sur le marathon 2015.

J'ai bien reçu le projet du programme pour notre voyage de 2016 à Pullach mais notre réunion n'a lieu que le 1er octobre , donc je le communiquerai à ce moment là.

La bière apportée par " Pullach Aktif " a été très appréciée et nous a permis de faire une bonne recette malgré le mauvais temps . Jamais nous n'avions vendu autant de bière un jour de marathon. J'ai personnellement remercié Mr Lachaise et les 3 personnes qui étaient avec lui puisqu'ils sont venus à la maison me saluer.

Les vendanges actuellement ont remplacé le marathon et les couleurs que l'on voit dans les vignes sont celles des vendangeurs. La récolte promet d'être excellente car il y a eu le soleil pour le sucre et la pluie pour faire gonfler le raisin. 

Je vous souhaite un très bel automne aussi ensoleillé que celui qui brille actuellement sur Pauillac.

En vous redisant toute notre amitié je vous embrasse

Marie José

31. Marathon de Médoc, Besuch der Partnergemeinde Pauillac vom 10.- 14. September 2015

Auch dieses Jahr wieder war die 31. Auflage des berühmten Marathons (der längste Marathon der Welt, bedingt durch die zahlreichen Extra-Schleifen durch die Chateaux) Anziehungspunkt für 8.500 Starter und ungezählte Besucher. Die Zahl "31" hat in Frankreich eine besondere Bedeutung als letzte Zahl in einem langen Monat, an dem man sich bevorzugt festlich kleidet.
Faschings-Atmosphäre dominiert auch das Bild am Start und während des Laufs, von den Hochleistungssportlern abgesehen startet fast jeder kostümiert.
Der Besuch aus Pullach verfolgte jedoch ein anderes Ziel, nämlich die Lieferung und Spende von 200 Litern bayerischen Bier, einem Durchlaufkühler und sehr viel Dekorationsmaterial, um tatkräftig den Stand des "Comité de Jumelage" zu unterstützen. Schon am Tag vor dem Lauf beginnt auf der breiten, neu hergerichteten Promenade von Pauillac ein ausgelassenes Fest, dass bis zum Samstagabend die Besucher des Marathon anzieht.
Nach ca. 15 Stunden Fahrt wurden die Fahrzeuge entladen, gemeinsam der Stand dekoriert, die Zapfanlage in Betrieb genommen und schon bald floss das erste bereits wohlgekühlte Bier.

Zwei turbulente Tage später fasst Madame Moge, Präsidentin des Comitées zusammen: "Wir haben noch nie so viel Umsatz gemacht, vielen Dank an unsere Freunde aus Pullach!"
Des Dankes hätte es gar nicht bedurft, wurden wir doch während der gesamten Zeit freundlich bewirtet, besuchten drei Weingüter, unter anderem das kleinste Weingut des Ortes von Alain Albistur, bestens bekannt als helfende Hand auf dem letzten Deutsch-Französischen Freundschaftsfest. Auch der Leuchtturm von Patiras auf einer kleinen Insel mitten auf der Gironde, ein ausgelassenes Fest mit den Marathon-Startern und eine Fährfahrt zum Badeort Royan an der Gironde-Mündung durften nicht fehlen.

Dabei ist es kaum aufgefallen, dass es mit dem Wetter nicht zum besten stand, wir freuen uns auf den nächsten Besuch unserer französischen Freunde in Pullach!

Jawoll! Das war’s!

Pauillac’s Bürgermeister Mr. Semillon zuckte zusammen, seine Tochter und Denis Lachaize starrten erschrocken zu mir herüber.

In meiner Erkenntnis-Euphorie, gefördert durch mittäglichen Rotwein, hatte ich wohl etwas zu heftig auf den Tisch geschlagen.

Wir saßen an Weintischen (in Bayern: Biertisch) vor dem Maison du Tourisme et du Vin de Pauillac in der sommerlichen Nachmittagssonne unter großen Schatten spendenden Platanen und hatten, dank einiger kleiner Zaubereien, jede Menge Spaß, als mir plötzlich der entscheidende Einfall kam:

Klar doch, das war’s:

Wir müssen - hier wie dort - Menschen finden, Bürger der Partnergemeinden, die daran interessiert waren, sich und die typischen Gepflogenheiten der ehemaligen Erzfeinde kennen lernen zu wollen. Zeichen einer wahren, echten Partnerschaft.

Fußballer, Pfadfinder, Feuerwehrler, Schüler, sie alle haben einen gemeinsamen Nenner, ein Thema über das sie reden, sich unterhalten, sich austauschen können.

Im Gegensatz zu den Funktionären, den Gemeindegesandten, die einfach nur auf Besuch kommen, herumgeführt und -gereicht werden, um brav und stolz alles Fremde zu probieren und zu bestaunen.

So wie Denis und ich heute Morgen.

Mme Monique Nauzin fuhr uns mit einem grünen Mercedes Benz, der noch etwas zu jung für einen Oldtimer war, durch die Weinberge Pauillac’s. Überall das gleiche Bild, Rabatten von Reben. Rosen am Rain waren der einzige Farbklecks in dieser kargen, braun-grünen Landschaft. Ideale Bedingungen für guten Wein, wie wir lernten. Und das ‚Warum’ erfuhren wir dann am nächsten Morgen in einem Sommelier-Grundkurs.

Läge da nicht der urgewaltige Atlantik gleich hinter Pauillac, die Motivation nicht Weinkundige Menschen zu bewegen diese Gegend hier zu besuchen wäre sehr gering.

Ich wollte kein höfliches Funktionärstreffen, unser Kennen lernen und der folgende Austausch sollte anders aussehen: dynamisch und aktiv! Und vielleicht auch ein bisschen wie Urlaub.

Denn wir konnten auf keine finanzielle oder auch sonst wie geartete Unterstützung durch unsere Gemeinde und deren Räte hoffen.

Die Idee war schlicht und zweifach:

Die ‚Mittelschicht’, diejenigen Bürger, die Gewerbesteuer zahlen und dennoch keine Lobby in der Gemeinde haben, wir also, wir fahren nach Pauillac und werden beim 2. Fest des Weines und der Gastronomie in einem Stand’l Pullacher Köstlichkeiten präsentieren.
Das Problem: Wir müssten allerdings so viele Personen sein, dass in zwei Tagesschichten gearbeitet werden kann. Die eine Truppe bietet Pullacher Spezialitäten auf dem Fest feil, der andere Trupp fährt an den Atlantik. Am nächsten Tag wird gewechselt.

Wir tauschen uns aus, sprich, der Bäcker wohnt beim Bäcker, der Metzger beim Metzger, der Optiker beim Optiker, der Wirt beim Gastronom, der Kfz-Meister beim Kfz-Meister, der Apotheker beim Apotheker, der Zauberer – irgendwo.

Diesen Geistesblitz tat ich nach dem Faustschlag kund und ich entschuldigte mich für meine ungestüme Aktion Wir diskutierten noch eine ganze Weile lang über diesen spontanen Einfall und widmeten uns dabei dem nachmittäglichen Rotwein.

So flogen denn Denis und ich zwei Tage später nach Pullach zurück, jeder mit einer Ehrenurkunde Pauillac’s bestückt und mit dem Versprechen beladen, das Ersponnene denn auch umzusetzen.

Ein Jahr der Überlegungen, Diskussionen und der Planung verging. Ich schickte bayerische Devotionalien (meistens weiß-blau) und großformatige Plakate mit bayerischen Motiven (Zugspitzbahn) nach Pauillac,

Denis plante, organisierte und verwarf Geplantes wieder, unzählige (meist unleserliche) Faxe wurden ausgespuckt, Telefonate radebrecht.

Uns kam zugute, dass Mr. Bounichou inzwischen den Verein Pauillac Actif gegründet hatte, der uns tatkräftig unterstützte und bei der Vorbereitung vor Ort in Pauillac half. Auch der Vater von Denis, der von der anderen Seite, der Cote de Blaye mit der Fähre schnell mal nach Pauillac herüberschwimmen konnte, war eine extrem große Hilfe.

Im August 1995 sollte es dann endlich so weit sein: Eine Gruppe von 12 Pullachern bestieg in München bestgelaunt den Flieger, drei Autos voller ‚Mitbringsel’ waren bereits auf dem Weg quer durch Frankreich.

Am Flughafen in Bordeaux standen die Mietwagen bereit und wir fuhren zu nächtlicher Stunde die ca. 70km bis an den Kai von Pauillac, wo emsiges Treiben herrschte.

Lautsprecher aufhängen, Kabel verlegen, Lampen installieren, Buden dekorieren – irgendwie kam mir das alles sehr bekannt vor.

Ein herzliches Bienvenue im Vorbeigehen, dennoch Zeit für Küsschen links, Küsschen rechts; beide schmecken salzig. Wir sind da, unsere Vortruppe auch. Jetzt bloß keine offizielle Begrüßung, hier gibt’s noch viel zu tun. Nach nicht einmal einer Stunde trugen alle das gleiche Parfum: Schweißèl von Yves Clochard.

Man hatte uns eine große, hölzerne Bude zugewiesen, schön gelegen, mittendrin, in der Festmeile, genau gegenüber eines Austernstandes. Schweinswürstel mit Sauerkraut im Austausch gegen Austern aus Arcachon.

Wir wurden gebeten, kein Bier auszuschenken, weil es sich erstens auf einem Weinfest nicht gehört und weil es zweitens wahrscheinlich hier der Hit, der Verkaufsschlager geworden wäre.

Also boten wir gehorchend fränkischen Bocksbeutelwein (auch gläserweise) feil, der im Übrigen ganz vorzüglich zu den schlabbrigen Austern schmeckt. Dazu gab’s frisch gebackene Brezeln, denn Eddie Floß hatte eine Laugenwanne und sein gesamtes Brezelwissen als Gastgeschenk mitgebracht.

Fonsie Netzer nahm dafür das Merguez-Rezept mit nach hause, welches er dann bei unseren Kirchplatzfesten stets hervorragend in die Tat umsetzte.

Unsere Tage in Pauillac waren spannend, wunderschön, arbeitsreich und vergingen viel zu schnell: Offizieller Empfang durch Mr. Senillon im Rathaus.

Offizieller Ausflug in die Weinberge und einige Chateaus mit Degustation,

Offizieller Umzug mit der Pauillacer (Blasmusik)…… durch den bayerisch geschmückten Innendorfbereich Pauillacs zum Maison des Sports (Bürgerhaus)

Offizielle Fete in eben jenem Haus mit fein gegrilltem Steak pauillacase und Spitzenweinen.

Offizieller Bieranstich durch Mr. Senillon, der unser Gastgeschenk, ein hölzernes Faß’l Augustiner, etwas unglücklich anzapfte. Doch Friedl Söcker half und die Bierdusche konnte flugs eingedämmt werden. (Blöd nur, dass Mr. Senillon sofort zu einem Empfang einer Fregatte namens Pauillac geladen war und keine Zeit mehr hatte, sich umzuziehen. Doch auch Militärs wissen: Alkoholiker riechen anders.)

Und inoffizielle Ausflüge: Meine Truppe war sonnen und surfen in LaCanau Ocean, die anderen besuchten den urwüchsigen Sandstrand von Hourtin Plage.

Es waren fantastische Tage, die wir dank der großzügigen Gastfreundschaft der Gemeinde Pauillac und deren Gewerbesteuerzahler erleben durften!

Irgendjemand prägte beim traurigen Abschied den durchaus zutreffenden Begriff: Arbeitsurlaub.

Pullach Aktiv war in den Folgejahren noch dreimal aktiv mit einer ‚Pullacher Bude’ auf dem Fest, das immer mannigfaltiger und größer wurde, vertreten.

Und jedes Mal gab es neue und schöne Erlebnisse und es bildeten sich neue Freundschaften.

Pauillac Actif gibt es nicht mehr, die Fete du vin et de la gastronomie gibt es auch nicht mehr - so bleibt für Pauillac-Fans nur noch Medoc - Urlaub ohne Arbeit oder das Mitfeiern beim jährlichen Französischen Freundschaftsfest auf dem Kirchplatz in Pullach – denn das gibt’s immer noch.